11. Thüringer Sozialgipfel – die Veranstaltung vom 17.03.2026 zum Nachlesen
von Peter Kießling
Wie lassen sich Strategien, Bedarfe und soziale Realität in Thüringen besser zusammenbringen? Mit dieser Frage hat sich der 11. Thüringer Sozialgipfel am 17. März 2026 im Thüringer Landtag beschäftigt. Rund 160 Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrtspflege, Wissenschaft und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um über die Zukunft sozialer Infrastruktur in Thüringen zu diskutieren.
Deutlich wurde dabei vor allem eines. Soziale Herausforderungen lassen sich immer weniger getrennt voneinander bearbeiten. Themen wie Wohnen, Gesundheit, Bildung, Pflege, Teilhabe, Mobilität und Daseinsvorsorge hängen eng zusammen. Klassische Planungsansätze stoßen deshalb zunehmend an ihre Grenzen. Der Sozialgipfel hat klar herausgearbeitet, dass es stärker vernetzte, sozialraumorientierte und langfristige Lösungen braucht.
Integrierte Sozialplanung als gemeinsamer Leitgedanke
Ein zentraler roter Faden der Veranstaltung war die integrierte Sozialplanung. Gemeint ist damit eine Planung, die sich an den tatsächlichen Lebenslagen der Menschen orientiert, verschiedene Handlungsfelder zusammendenkt und Verwaltung, Träger, Politik und Zivilgesellschaft stärker miteinander verbindet. Damit wurde deutlich, dass Sozialplanung nicht nur eine fachliche Aufgabe ist, sondern auch eine Frage von guter Steuerung, Beteiligung und demokratischem Zusammenhalt.
Wichtige Impulse setzte bereits am Vormittag das Inputreferat von Prof. Dr. Wunderlich. Er machte deutlich, dass soziale Problemlagen in der Praxis meist nicht einzeln auftreten, sondern sich überschneiden und gegenseitig verstärken. Gleichzeitig seien Verwaltungen und Unterstützungssysteme vielerorts noch stark nach Zuständigkeiten und Fachbereichen organisiert. Genau darin liege ein zentrales Problem. Wenn Daten nicht gut zusammengeführt werden, Wissen aus verschiedenen Bereichen nebeneinandersteht und Planung zu stark in einzelnen Ressorts bleibt, entstehen nur schwer passgenaue Lösungen. Sein Beitrag unterstrich, dass integrierte Sozialplanung als strategischer Prozess verstanden werden muss, mit klaren Zielen, einer belastbaren Datenbasis und einem starken Bezug zu den konkreten Lebensbedingungen vor Ort.
Was in den Workshops deutlich wurde
Sechs Workshops standen den Teilnehmenden zur Wahl. Diskutiert wurden unter anderem die Chancen und Grenzen digitaler Tools und Künstlicher Intelligenz in der Sozialplanung, die Bedeutung des Austauschs zwischen Jung und Alt, sozial gerechte Regionalentwicklung, Gesundheit im Sozialraum, die Zukunft ländlicher Räume sowie Teilhabe und demokratische Mitbestimmung.
Über alle Themen hinweg zogen sich einige gemeinsame Erkenntnisse durch den Tag. Sozialplanung muss vernetzter gedacht werden. Daten, Erfahrungswissen aus der Praxis und Beteiligung vor Ort müssen besser zusammengeführt werden. Gleichzeitig braucht es klare Zuständigkeiten, stabile Strukturen und ausreichende personelle wie finanzielle Ressourcen. Immer wieder wurde betont, dass gute Ansätze vielerorts bereits vorhanden sind. Die Herausforderung besteht nun darin, sie systematisch weiterzuentwickeln und dauerhaft zu verankern.
Politische Perspektiven und zentrale Forderungen
In der Podiumsdiskussion wurden die Ergebnisse aus politischer und praktischer Sicht noch einmal zugespitzt. Mit dabei waren Christiane Maurer aus der Stabsstelle Integrierte Sozialplanung im Landkreis Sömmerda, Stephan Panhans von der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen, Marion Seeber vom Landesseniorenrat Thüringen, die Landtagsabgeordneten Katja Maurer (Die LINKE) und Christoph Zippel (CDU) sowie Ministerpräsident Mario Voigt.
In der Diskussion wurde deutlich, wie groß der Druck auf viele Kommunen bereits heute ist. Demografischer Wandel, steigender Pflegebedarf, Fachkräftemangel und begrenzte finanzielle Spielräume treffen auf wachsende Anforderungen an Planung und Steuerung. Zugleich bestand in wesentlichen Punkten ein breiter Konsens. Integrierte Sozialplanung muss strukturell gestärkt werden. Kommunen brauchen dafür klare Zuständigkeiten, verlässlichere Rahmenbedingungen und bessere Datengrundlagen. Ebenso wichtig bleibt die Beteiligung von Bürgerinnen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen, damit Planung nicht abstrakt bleibt, sondern an den tatsächlichen Bedarfen vor Ort ansetzt.
Tagungsdokumentation und weiterführende Informationen
Wer die Diskussionen und Ergebnisse des 11. Thüringer Sozialgipfels vertiefen möchte, findet in der Tagungsdokumentation ausführlichere Einblicke in das Inputreferat, die Workshops, die Podiumsdiskussion und die daraus abgeleiteten Forderungen.