Gemeinsam für eine Pflegereform, die Versorgung sichert
Ein leeres Pflegebett vor einer Pflegeeinrichtung: BettEin freier Platz steht nicht für Entlastung, sondern für wegfallende Versorgung
Eine Aktion der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen (unterstützt von der LAG der privaten Pflegeanbieter in Thüringen)
Ein leeres Pflegebett wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch wenn es leer bleibt, obwohl Menschen dringend einen Pflegeplatz brauchen, wird es zum Symbol für eine Entwicklung, die uns große Sorgen bereitet.
Mit den Aktionen „Das leere Pflegebett“ und „Dieses Auto fährt nicht mehr“ macht die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen auf die möglichen Folgen der geplanten Pflegereform des Bundes aufmerksam. Denn wenn Pflegeeinrichtungen Plätze nicht mehr anbieten können oder ambulante Dienste ihre Touren nicht mehr verlässlich fahren, betrifft das pflegebedürftige Menschen, Angehörige und ganze Versorgungsstrukturen.
Wir sagen klar, Pflege braucht Reformen. Aber Reformen müssen Versorgung sichern und dürfen bewährte Strukturen nicht schwächen.
Deshalb setzen wir gemeinsam mit Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten in Thüringen ein sichtbares Zeichen für eine Pflegereform, die den Menschen dient, die auf Pflege angewiesen sind.
Warum diese Aktion?
Die Pflege in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Deshalb braucht es Reformen, die das System zukunftsfähig machen und die Versorgung langfristig sichern.
Die aktuell diskutierten Vorschläge des Bundes greifen jedoch an entscheidenden Stellen zu kurz. Sie lösen bestehende Probleme nicht, sondern verschärfen sie teilweise. Das betrifft sowohl stationäre Pflegeeinrichtungen als auch ambulante Dienste.
Mit den Symbolen des leeren Pflegebetts und des stillstehenden Pflegeautos machen wir sichtbar, welche Folgen diese Entwicklung für die Versorgung haben kann.
Unsere Aktion richtet sich nicht gegen Reformen. Im Gegenteil: Wir setzen uns für eine Pflegereform ein, die die Versorgung stärkt, gute Pflege ermöglicht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Einen Eindruck von unserer Pressekonferenz und den Hintergründen der Aktion gibt der Beitrag des MDR Thüringen Journals.
Was bedeutet das konkret?
Die Reformvorschläge des Bundes betreffen viele Bereiche der Pflege. Einige geplante Änderungen gehen aus Sicht der LIGA Thüringen in die richtige Richtung. Andere bergen jedoch erhebliche Risiken für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen.
Besonders betroffen sind die stationäre und die ambulante Pflege. Beide Bereiche stehen bereits heute unter einem hohen wirtschaftlichen und personellen Druck. Zusätzliche Belastungen könnten dazu führen, dass Angebote eingeschränkt werden oder künftig nicht mehr in der gewohnten Qualität angeboten werden können.
Nachfolgend haben wir die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Ausführliche Informationen und weiterführende Argumentationshilfen finden Sie außerdem in unseren Downloadmaterialien.
Was die Reform aus unserer Sicht bedeutet
Der Bund will die Pflegeversicherung neu ordnen (PNOG) und die GKV-Beitragssätze stabilisieren. Einzelne Ziele - Prävention, Pflegebegleitung, Digitalisierung, flexiblere Budgets - sind richtig. Kritisch ist: Viele Regelungen führen zu Kürzungen, unklarer Finanzierung oder Kostenverschiebung auf Pflegebedürftige, Angehörige, Pflegedienste, Einrichtungen und Kommunen.
| Was geplant/ kritisch ist | Auswirkung auf Leistungserbringer (LE) | Auswirkung auf Leistungsberechtigte (LB) |
| Pflegebegleitung soll Beratungseinsätze (§ 37 Abs. 3) und häusliche Schulungen (§ 45) ersetzen. Ambulante Dienste sind nicht ausdrücklich eingebunden. |
Verlust fachlicher Kernaufgaben, neue Parallelstrukturen, weniger Attraktivität im ambulanten Bereich. |
Weniger vertraute Beratung im Zuhause, schlechtere Prävention, mehr Krisenrisiko. |
| Pflegegrad 1 soll Entlastungsleistungen verlieren. |
Niedrigschwellige Angebote und Sozialraumstrukturen werden geschwächt. |
Frühe Hilfe fällt weg - besonders für alleinlebende Menschen, Demenz und psychische Beeinträchtigungen. |
| Rentenbeiträge für pflegende Angehörige sollen abgesenkt werden. |
Wenn Angehörige ausfallen, steigt der Druck auf alle Versorgungsbereiche. |
Höheres Altersarmutsrisiko, häusliche Pflege wird instabiler. |
| Eigenanteile steigen weiter. Leistungszuschläge/Verweildauerstufen sollen verschlechtert werden. |
Mehr wirtschaftlicher Druck, mehr Sozialhilfefälle, schwierigere Refinanzierung. |
Pflege wird schneller unbezahlbar. Familien und Kommunen tragen mehr Kosten. |
| Tarifrefinanzierung im SGB XI und Vergütungsdeckel im SGB V werden begrenzt. |
Tarifgebundene Träger tragen Kostenrisiken. HKP/medizinische Behandlungspflege gerät unter Druck. |
Weniger Personalbindung und Versorgungssicherheit, längere Wartezeiten möglich. |
| Kurzzeit-, Tagespflege und ambulante Akutversorgung bleiben unzureichend finanziert/ geöffnet. |
Vorhaltung ist ohne klare Finanzierung nicht planbar. |
In Krisen fehlen Entlastungsangebote. Krankenhaus oder stationäre Langzeitpflege werden wahrscheinlicher. Hier fehlen widerum die Ressourcen, um steigende Badarfe decken zu können. |
Thüringen im Fokus: Ende 2023 waren 193.937 Menschen pflegebedürftig; 105.128 erhielten ausschließlich Pflegegeld, 42.283 wurden
ambulant versorgt. Die Pflegevorausberechnung erwartet bis 2042 rund 211.000 Pflegebedürftige. Die Eigenbeteiligung im Pflegeheim lag zum
01.01.2026 im ersten Jahr bei durchschnittlich 3.005 Euro monatlich.
Unsere Forderungen: Ambulante Pflegedienste gesetzlich in die Pflegebegleitung einbinden und auskömmlich finanzieren. Pflegegrad 1 über
ein reduziertes Sozialraumbudget absichern. Rentenabsicherung pflegender Angehöriger erhalten. Eigenanteile wirksam begrenzen. Tarifliche
Entlohnung vollständig refinanzieren - im SGB XI und in pflegerelevanten SGB-V-Leistungen. Tages-/ Nachtpflege, Kurzzeitpflege und ambulante
Akutversorgung als Sicherheitsnetz stärken.
Diese Information für Pflegeeinrichtungen zum Download
Pressekonferenz der LIGA am 25. Juni
Gemeinsam am 6. Juli 2026 ein Zeichen setzen
Wir möchten mit möglichst vielen Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten in Thüringen ein gemeinsames Zeichen setzen.
Deshalb starten wir die Aktion landesweit am 6. Juli 2026.
Je mehr Einrichtungen und Dienste sich beteiligen, desto sichtbarer wird unsere gemeinsame Botschaft. Natürlich freuen wir uns auch über Aktionen in den darauffolgenden Tagen.
Damit die Teilnahme möglichst unkompliziert ist, hat die LIGA Thüringen Aktionsmaterialien vorbereitet. Dazu gehören A1 Plakate für die stationäre Pflege, jeweils auf stabilem Karton und als Poster, sowie Aktionsaufkleber für die Fahrzeuge der ambulanten Pflegedienste. Die Verteilung der Materialien beginnt am 2. Juli 2026 über Ihren jeweiligen Spitzenverband. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Ausgabe direkt an Ihren Verband.
Stationäre Pflege
Stellen Sie am Morgen des 6. Juli ein Pflegebett gut sichtbar vor Ihrer Einrichtung auf und befestigen Sie das Aktionsplakat am Bett. Machen Sie anschließend ein Foto Ihrer Aktion. Lassen Sie Bett und Poster auch gern noch länger stehen. Das schafft Aufmerksamkeit.
Ambulante Pflege
Bringen Sie den Aktionsaufkleber gut sichtbar an so vielen Dienstfahrzeugen an wie möglich und machen Sie anschließend ein Foto. Wichtig ist, dass der Aufkleber am 6. Juli zu sehen ist. Lassen Sie den Aufkleber oder Karte gern noch ein paar Tage am oder im Auto.
Hinweis zur Anwendung der Aufkleber: Die Aufkleber bestehen aus Papier (wie Klebe-Etiketten für den Innenbereich) und sind nur für den kurzfristigen Einsatz auf der Heckscheibe gedacht. Sie müssen auch nicht unbeingt kleben: Befestigen Sie den Aufkleber von innen an einer Seiten oder Heckscheibe oder fixieren ihn mit etwas Klebeband. So ist die Botschaft trotzdem gut sichtbar.
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A1 Plakat Pflegereform Version 1 mit Logo (mit Beschnittzugabe) -
A1 Plakat Pflegereform Version 1 ohne Logo (mit Beschnittzugabe) -
A5 Pflegereform Autoaufkleber mit Logo (mit Beschnittzugabe) -
A5 Pflegereform Autoaufkleber ohne Logo (mit Beschnittzugabe) -
Social Media Auto fährt nicht (png) -
Social Media Auto fährt nicht ohne Logo (png) -
Social Media leere Bett (png)
Zeigen Sie Ihre Aktion
Teilen Sie Ihre Fotos auf Facebook oder Instagram und markieren Sie die LIGA Thüringen.
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@LIGA Thüringen
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@ligathueringen
Verwenden Sie gern den Hashtag #DasLeerePflegebett, damit möglichst viele Menschen die Aktion sehen. Alternativ können Sie Ihre Bilder über unser Uploadformular hochladen oder per E-Mail an uns senden. Wir sammeln die Beiträge aus ganz Thüringen und machen das gemeinsame Engagement sichtbar.
Link zum Upload: https://ligaderfreienwohlfahrtspfle.app.box.com/f/37b77880e1d64fe1bdea30454358fbb2
E-Mailadresse: kiessling@liga-thueringen.de
Hinweis: Die Materialien dürfen im Rahmen der Aktion „Das leere Pflegebett“ sehr gern kostenfrei verwendet werden. Nutzen Sie den Solagan auch gern mit Ihrem eigenen Logo. Wichtig ist, dass sich so viele Einrichtungen und Dienste wie möglich beteiligen und "laut" sind. Egal ob freier, privater oder kommunaler Träger.