Überschuldungsstatistik 2025 – Alleinerziehende und Alleinlebende am stärksten betroffen
von Sebastian Rothe
Am 15. Juli veröffentlichte das Bundesamt für Statistik die Zahlen der bundesweit tätigen sozialen Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen. Laut Bericht erhielten im vergangenen Jahr rund 590.000 Menschen mit finanziellen Problemen Unterstützung durch die Schuldnerberatung. Die Zahl der in Thüringen beratenen Personen liegt bei rund 12.700.
Bei den Auslösern von Überschuldung gewinnt „Erkrankung, Sucht, Unfall“ weiter an Bedeutung. Bundesweit gibt es außerdem eine Trendfortsetzung bei der Zunahme von Personen mit mehr als 20 Gläubiger*innen. Hiervon sind besonders jüngere Ratsuchende betroffen. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen zudem, dass die Ratsuchenden der Schuldnerberatung durchschnittlich älter werden.
Sowohl bundes- als auch thüringenweit wurden vor allem alleine lebende Menschen beraten. Auch Ein-Eltern-Familien sind häufig betroffen. Diese tauchen in den Zahlen der Schuldnerberatungsstellen 4-mal häufiger auf, als in der Gesamtbevölkerung. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen zum einen in dem geringen Haushaltseinkommen und zum anderen in den hohen Kosten für Wohnen, Energie und Lebensmittel. Für die Begleichung der vielen Ausgaben steht hier aber oft nur ein Haushaltsmitglied zur Verfügung, dessen Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit durch die alleinige Betreuung der Kinder eingeschränkt ist. Auch erhält die Mehrheit aller Alleinerziehenden weder vollständigen noch regelmäßigen Unterhalt. Hier braucht es weiterhin Unterstützung von staatlicher Seite, wie den Unterhaltsvorschuss aber auch ein gut ausgebautes Netz an Kinderbetreuung und auch Beratungsangebote wie die Thüringer Schuldnerberatung.
Thüringen weicht in einigen Bereichen von den Durchschnittswerten des Bundes ab. So liegt die Zahl der Ratsuchenden mit Schulden beim Energieversorger und Vermieter deutlich höher. Ebenso spielt der Auslöser "Erkrankung, Sucht, Unfall" in Thüringen eine größere Rolle als in anderen Bundesländern. Mehr als jeder fünfte Ratsuchende ist davon betroffen. Auch die Überschuldungsintensität ist mit einem Wert von 26 in Thüringen höher als im Bundesdurchschnitt (25). In Thüringen müssten die überschuldeten Beratenen demnach 26 Netto-Monatseinkommen aufbringen, um komplett schuldenfrei zu werden.
| bundesweit | Thüringen | |
| Beratene Personen | 586.422 | 12.717 |
| Durchschnittliche Schuldenhöhe | 34.650 € | 36.263 € |
| Männeranteil | 50,4% | 50,8% |
| Frauenanteil | 49,6% | 49,2% |
| Anteil Ein-Personen-Haushalte | 51,7% | 48,4% |
| Anteil Alleinerziehende | 15,5% | 17,3% |
Die Ergebnisse für rund 1360 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland werden mit Hilfe von Datensätzen der 738 meldenden Beratungsstellen hochgerechnet.
Pressemitteilung von Destatis
Die Pressemitteilung von Destatis sowie die Möglichkeit zum Datenabruf finden Sie hier.