Fachtag liefert Impulse für die Zukunft der Thüringer Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung

von Sebastian Rothe

Am 3. Juni fand der Fachtag mit dem Titel "Von der Krise zur Chance - Welche Weichenstellung die Soziale Schuldnerberatung in Thüringen jetzt braucht" statt. Ziel der Veranstaltung war es, im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche Schuldnerberatung die verschiedenen Akteur*innen aus Praxis, Verbänden, Verwaltung und Politik zusammenbringen, um die Weichen für eine zukunftsfähige und bedarfsgerechte Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung zu stellen und damit auf den Bedarf überschuldeter Menschen zu reagieren.
Insgesamt 64 Personen aus Politik, Verbänden, Verwaltung, Wissenschaft, Schuldnerberatung und angrenzenden Arbeitsfeldern tauschten ihren Standpunkt, Forderungen und Ideen zur Zukunft der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in den Räumlichkeiten des Thüringer Landtages aus.

Tino Grüber, Geschäftsführer der LIGA Thüringen, begrüßt die Teilnehmenden

Tino Grübel, Geschäftsführer der LIGA Thüringen, betonte bereits in seinem Grußwort den Mehrwert dieses Beratungsangebots für die gesamte Gesellschaft und bekräftigte: „Als LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen fordern wir mit Blick auf den Doppelhaushalt 2026/2027, dass dem Inhalt des Regierungsvertrages Rechnung getragen wird und es auf den Bedarf überschuldeter Menschen im Land eine politische Antwort geben wird, die nicht wie für den Haushalt des laufenden Jahres zum Teil von der globalen Minderausgabe aufgezehrt wird.“

Vorstellung des Arbeitsfeldes Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung

Silke Schwab (Caritasverband Erfurt) und Silke Süßenguth-Schirmer (Trägerwerk Soziale Dienste in Arnstadt) im Gespräch mit Moderator Frieder Weigmann (Diakonie Mittelthüringen)

Um den Teilnehmenden einen Einblick in die aktuelle Situation im Arbeitsfeld zu geben, lieferte Sebastian Rothe von der Fachberatungsstelle Zahlen und Fakten zur Überschuldungssituation, dem Beratungsstellennetz und der Belastungssituation der Fachkräfte in Thüringen. In der anschließenden Gesprächsrunde gaben zwei Schuldnerberaterinnen einen aufschlussreichen Einblick in ihren Arbeitsalltag und zeigten auf, an welchen Stellen dringend Nachbesserungen erforderlich sind, damit überschuldete Menschen zeitnah und mit der nötigen Sorgfalt beraten werden können. Außerdem seien zum Beispiel die Sachkosten zu einer Belastung geworden und die Frage „Bezahl ich die Briefmarke oder meine Sachbearbeiterin?“ an der Tagesordnung.

Impulsvortrag zu den Bedingungen und zur Bedeutung von Schuldnerberatung

Prof. Dr. Hans Ebli, lehrte noch bis 2024 an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen

In seinem Vortrag zeigte Prof. Dr. Hans Ebli die Ursprünge von Ver. Bzw. Überschuldung und die Notwendigkeit von Schuldnerberatungsdiensten ab den 1980er Jahren. Er richtete den Blick auch auf die Einflüsse, die das Arbeitsfeld in den letzten Jahrzehnten prägten und die unter anderem zu Zugangsbegrenzungen, Standardisierung von Beratungsprozessen, Wegfall an Möglichkeiten zur Reflexion und Fortbildung führen konnten. Auch das Ringen um die Finanzierung des Unterstützungsangebots prägt die Schuldnerberatung seit je her und bringt zentrale Prinzipien von Fachlichkeit dauerhaft unter Druck. Dabei ist Schuldnerberatung als aktive Armutsbekämpfung und Fachexpertise für viele weitere soziale Dienste ein großer Mehrwert für die Gesellschaft. Angesichts der vielfältigen Funktionen und Potenziale von Schuldnerberatung spricht sich Prof. Ebli für eine adäquate Ressourcenausstattung und insgesamt geeignete Bedingungen aus.

Vortrag zur Bedeutung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie

In naher Zukunft, spätestens Ende 2026, wird mit der Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Deutsches Recht die Schuldnerberatung erneut vor einem Wandel stehen, dessen Ausmaß noch nicht klar beziffert werden kann. Ines Moers von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung wagte mit ihrem Vortrag dennoch einen Blick in die Glaskugel und skizzierte mögliche Parameter, die sich eventuell bereits aus dem Regierungsvertrag von CDU und SPD herauslesen lassen: „… wir unterstützen kostenfreie Schuldnerberatung, die niemanden ausschließt“.
Darüber hinaus schaffte sie bereits einen Rahmen für die sich anschließende Podiumsdiskussion mit Forderungen und Ideen zur künftigen Ausgestaltung und Ausstattung des Arbeitsfeldes.

Podiumsdiskussion zu den nötigen Weichenstellungen die Soziale Schuldnerberatung in Thüringen

Beate Meißner (Thüringer Ministerin Justiz, Migration und Verbraucherschutz) drückte bereits mit ihrer Zusage zur Teilnahme am Podium ihre Wertschätzung für das Arbeitsfeld aus, die sie im Verlauf der Diskussion immer wieder betonte. Auch die beiden Landtagsabgeordneten Ralph Hutschenreuther (BSW) und Jens Thomas (DIE LINKE) zeigten sich aufgeschlossen ggü. Verbesserungen für die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung und warben dafür weiterhin die Stimme dafür zu erheben. Anja Wolf, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Thüringen und Ines Moers schilderten verschiedene Problemlagen und mögliche Lösungsansätze, wie digitale Kommunikationstools, vereinfachte Verfahren und alternative Finanzierungsmodelle. Auch die Finanzierung von Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenzberatung aus einer Hand stieß auf offene Ohren. Hierbei gebe laut Beate Meißner keine Denkverbote, ihre Tür stehe für Vorschläge seitens der LIGA und den Beratungsstellen offen. Abschließend einigten sich die Podiumsteilnehmer:innen darauf, die gute Zusammenarbeit auch in Zukunft fortzusetzen, um sich gemeinsam für das Arbeitsfeld stark zu machen.

v.l.n.r. Ines Moers, Beate Meißner, Ralph Hutschnreuther, Jens Thomas, Anja Wolf und Frieder Weigmann

Alle Präsentationen zum Fachtag finden Sie weiter unten zum Download.

Vorstellung Schuldnerberatung Thüringen.pdf

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