LIGA-Fachgespräch: Berufliche Orientierung: in der Pandemie (un-)möglich? - Nachwuchs für die Sozialwirtschaft gewinnen vom 21. Juni 2021

von Peter Kießling

Eingeschränkte Kontakte, ausgefallene Ausbildungsmessen, abgesagte (Schüler)Praktika – Berufliche Orientierung (BO) und Nachwuchsgewinnung stehen während der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen. Wie lässt es sich vermeiden, dass dadurch Angebot und Nachfrage gerade auch für die systemrelevanten Bereiche der sozialen Welt zurückgehen? Wie können Unternehmen und junge Menschen auch in diesen Zeiten zusammenfinden?

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen engagiert sich gemeinsam mit den Verbänden und Unternehmen in der Gewinnung von zukünftigen Fachkräften u.a. für die Pflege, die Kinder- und Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe und Rehabilitation, die Migrantenarbeit und für die Beratungsstellen.

Am 21. Juni 2021 fand zum Thema Berufliche Orientierung in der Sozialwirtschaft ein virtuelles Fachgespräch mit mehr als 80 Teilnehmenden statt.

 

Drei Motive flossen in die Veranstaltung ein:

  • die Positionierung der Sozialwirtschaft im Thema Berufliche Orientierung (BO) als Mittel der Fachkräftesicherung in Thüringen
  • die Ergebnispräsentation der 28-monatigen Projektarbeit von BOS und BOS_21
  • sowie die Übergabe der „Wortmeldung zur Perspektive der Beruflichen Orientierung in Thüringen – Eine Empfehlung“

Zwei fulminante Inputs sorgten für die nötige Themenspanne:

Dennis Fischer von BOS/BOS-21 stellte 5 Kernfakten für die Nachwuchsgewinnung „Aus der Branche für die Branche“ vor, die er anschaulich mit zahlreichen Beispielen aus der Arbeit mit den Unternehmen unterfütterte. Deutlich wurde: Fachkräftesicherung heißt auch, sich in der BO zu engagieren. Dafür braucht es kluge und attraktive Ansprache und Formate. Allein ein wirklich gut durchgeführtes Schülerbetriebspraktikum kann schon einen entscheidenden Einfluss auf die Berufswahlentscheidung der Jugendlichen haben. Und eine Unterstützungsstruktur für die Unternehmen der Sozialwirtschaft in der Ressourcenbündelung und Vernetzung ist notwendig.

Nachwuchsgewinnung jetzt! Aspekte aus zwei Jahren Projekt BOS/ BOS_21 (Berufliche Orientierung in der Sozialwirtschaft) - Präsentation von Dennis Fischer zum Herunterladen:

Eine Bildschirmaufnahme der Videokonferenz, hier während des Vortrags von Prof. Dr. Katja Driesel-Lange und Prof. Dr. Tim Brüggemann
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Berufswahlforschung präsentiert von Prof. Dr. Katja Driesel-Lange und Prof. Dr. Tim Brüggemann

Prof. Dr. Katja Driesel-Lange und Prof. Dr. Tim Brüggemann referierten dann einen wahren „Blumenstrauß“ wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Berufswahlforschung und plädierten dafür, die Möglichkeiten der digitalen Welt mit den bisherigen Präsenzformaten zu koppeln und dafür eine eigene Didaktik zu entwickeln. Ihr Vortrag trug den plakativen Titel: „The show must go…online!? – Digitale Medien in der Beruflichen Orientierung“.

Bei Interesse an der begleitenden PowerPoint Präsentation von Prof. Dr. Driesel-Lange und Prof. Dr. Brüggemann wenden Sie sich bitte an die LIGA Geschäftsstelle.

Herrn Minister Holter wurde dann die „Wortmeldung“, welche auch von allen Verbänden der LIGA unterstützt wird, überreicht und die innewohnenden Empfehlungen sowie das weitere Gesprächsangebot übergeben. Hieran ist nun fortfolgend anzuknüpfen.

In der Podiumsdiskussion kamen neben den genannten Wissenschaftlern und Bildungsminister Holter, auch die Staatssekretärin für Wirtschaft und Digitale Gesellschaft Fr. Kerst und der Abteilungsleiter des TMASFFG Hr. Prof. Dr. Behr zu Wort. Stefan Werner positioniert sich als Vorsitzender LIGA für den sozialwirtschaftlichen Sektor und forderte u.a. die Branche an Programmen wie den Praxiskoordinatoren ebenso zu beteiligen.

Organisiert wurde das Fachgespräch von der LIGA-Geschäftsstelle und fachlich koordiniert von der Sonderbeauftragten für Fachkräftesicherung und Hochschulkooperation der Paritätischen BuntStiftung Diana Paschek. Durch die Veranstaltung führte Peer Lück.

Das Fachgespräch wurde in Kooperation mit der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung in Thüringen (LKJ) e.V., der Friedrich-Schiller-Universität Jena (BOKOOP) und dem Verein Dr. Hermann-Anders-Krüger e.V. durchgeführt.

 

Weiterführende Informationen und Links

Auszug aus dem Chat
Eva Recknagel: https://axelkrommer.com/2019/04/12/paradigmen-und-palliative-didaktik-oder-wie-medien-wissen-und-lernen-praegen/
Tim Brüggemann: Den Test "Berufsfeldsfinder (BFF) finden Sie auch hier: https://www.bwp-kaoa.de/praxisphasen
Tim Brüggemann: Und hier das Spiel Like2Be: http://like2be.ch/
Katja Driesel-Lange: Ein Spiel zur geschlechtergerechten BO: https://gravitygo.de
Katja Driesel-Lange: Und hier VR: http://deinerstertag.de
Katja Driesel-Lange: Worüber wir gar nicht gesprochen haben, sind Videos. Hier gibt es gut gemachte im Rahmen der Werkstatttage, auch zur Sozialwirtschaft: https://www.berufsorientierungsprogramm.de/de/videos-1862.html
Ulrike Jacob, LKJ Thüringen:

Empfehlungen aus der Wortmeldung

 

a) Stabile BO-Strukturen mit multiprofessionellen Ressourcen stärken und somit Schulen eine praxisorientierte BO ermöglichen.

 

b) BO als Querschnittsaufgabe nachhaltig und konsequent an Schulen verankern.

 

c) Verlässliche Strukturen bei den begleitenden schulexternen Personen und Impulsprojekten zu schaffen.

 

d) Eine landesweit agierenden wissenschaftlichen Koordinierungs- und Beratungsstelle einrichten.

 

e) Allen Schüler*innen vielfältige BO-Angebote zur Verfügung stellen.

Diana Paschek:

Die "Wortmeldung" ist Ihnen allen am Freitag zugegangen und wird zeitnah, wie auch Materialien der heutigen Veranstaltung, auf der Homepage der LIGA der freien Wohlfahrt in Thüringen zu finden sein: https://liga-thueringen.de/liga-aktuell

Diana Paschek:

Hier der von Fr. Kerst erwähnte Preisträger: https://www.pflegeplatzmanager.de/

Diana Paschek:

https://www.dein-fsj.de/infos-freiwilligendienste/freiwillig-digital/

Diana Paschek:

Für Unternehmen bei uns: Mitarbeitende sind oftmals auch Eltern - wie wäre es diese auch als AG besser zu unterstützen bei der Beratung der Kinder, sozusagen als Arbeitsfähigkeit im weiten Sinn: Eltern, die Probleme mit ihren Kindern haben und Sorgen können auch schwerer gut arbeiten

Kracke:

Berufliche Orientierung heißt nicht Orientierung auf einen bestimmten Beruf, sondern es geißt, die Jugendlichen zu unterstützen, ihre Interessen und Fähigkeiten kennenzulernen und allgemein mit der Arbeitswelt in Verbindung zu bringen.

Kracke:

Eltern können dieses Nachdenken über sich selbst und Ausprobieren in Praktika unterstützen, indem sie sie zum Suchen ermutigen und mit ihnen die Erfahrungen besprechen. Das kann in der Schule in Eltern-Schüler-Abenden angerregt werden.

von Katja Driesel-Lange:

Wir können dies aber als Botschaft, dass die LehrerInnen zentral sind, noch einmal ins Protokoll aufnehmen!

O-Töne

„Schülern muss die praktische Bedeutung von vermitteltem Wissen vor Augen geführt werden!“ (Holter)

 

„Bei der Digital-Strategie Thüringens steht dennoch der Mensch im Mittelpunkt!“ (Kerst)

 

„Alle Branchen konkurrieren um die Köpfe. Zu viele Optionen machen gemäß der Psychologie des Entscheidens unglücklich.“ (Behr)

 

„Es gibt genügend Informationen, aber viel hilft nicht viel, Schüler wissen nicht wie und wo sie suchen sollen!“ (Driesel-Lange)

 

„Gespräche haben die größten Effekte. Feedback ist wichtig. Es ist gut, als Erweiterung der Präsenzangebote, berufliche Settings auch digital erkunden zu können!“ (Brüggemann)

 

„Den Unternehmen fehlt auch ein klares Problembewusstsein, um sich in der beruflichen Orientierung stärker zu engagieren, gern auch gemeinsam!“ (Fischer)

Interviews

Dennis Fischer, BOS / BOS 21

Dauer: 07:59 min

1. „Aus der Branche, für die Branche“ – was bedeutet der Slogan für Sie, welche Botschaft möchten Sie damit senden? (00:05 min )
2. Wie können sich Unternehmen der Sozialwirtschaft in der Nachwuchsgewinnung professionalisieren? Was müssten Sie anders machen als bisher? (01:41 min)
3. Die Sozialwirtschaft ist ja doch etwas anders als andere Wirtschaftszweige – welche „besonderen“ Strukturen, Unterstützungsmaßnahmen sind hier sinnvoll? (03:18 min)
4. Wie können Schulen mit Unternehmen an einem Strang ziehen? (04:42 min)
5. Wie kommt ein Unternehmen an seine Antworten zur Frage: „Was macht uns besonders?“ und wie nutzt es diese Antworten klug in der Berufsorientierung? (05:57 min)

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Prof. Dr. Tim Brüggemann, Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld

Dauer: 4:36 min

1. Welche Key-Facts zur gelingenden Beruflichen Orientierung sollte man wissen? (00:01 min)
2. Welche Erkenntnisse der Gamifikation könnten in der Beruflichen Orientierung nutzbringend verwertet werden? (01:44 min)
3. Formulieren Sie einen Traum, wie Berufliche Orientierung in Zukunft aussehen sollte! (02:59 min)

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Prof. Dr. Katja Driesel-Lange, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Dauer: 07:59 min

1. Welche Hinweise möchten Sie speziell für die Berufsorientierung im sozialen Sektor mit auf den Weg geben? (00:05 min)
2. Was sind Faktoren, die Berufe aus Sicht der Forschung für Jugendliche attraktiv machen und anders herum: was sind Aversionsfaktoren? (02:34 min)
3. Was ist notwendig, um stabile Strukturen für die Berufliche Orientierung von Schüler*innen zu schaffen?    05:18 min
4. Welche Effekte haben Gespräche in der Berufsorientierung? (09:18 min)
5. In Hinblick auf Netzwerke: Wen braucht es für gelingende Berufsorientierung und wie müssen Kooperationspartner*innen ausgestattet sein? (13:34 min)
6. Haben Sie einen Wunsch, wie Berufsorientierung in fünf Jahren aussehen sollte? (18:53 min)

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