IV. Modul der Qualifizierungsreihe Kooperative Sozialplanung am 02.02.2017

Ohne Netzwerkarbeit und Kooperation geht in der Sozialplanung nichts. Informationen müssen gesammelt, Kontakte aufgesucht und Bündnisse geschlossen werden, ansonsten verschwinden selbst gute Analysen und praxistaugliche Vorschläge schnell in den Schubladen. Dafür sind Netzwerke notwendig – aber: Nur weil ein Netzwerk existiert, heißt dies noch nicht, dass es tatsächlich auch die ihm zugedachten Funktionen erfüllt. Prof. Schönig von der Katholischen Hochschule NRW macht deshalb zum Auftakt des letzten Moduls der Qualifizierungsreihe „kooperative Sozialplanung“ gleich klar: „Netzwerke sind Dramen“ – sie leben von einer Geschichte und nehmen nicht selten ein tragisches Ende. Sie sind untrennbar mit Machtungleichgewichten zwischen den Beteiligten verbunden und häufig verfolgen die Akteure ihre ganz eigenen Ziele. Ungeachtet dessen ist eine nachhaltige Gestaltung der sozialen Infrastruktur auf erfolgreiche Netzwerkarbeit angewiesen. Wie der Aufbau tragfähiger Netzwerkstrukturen auch unter ungünstigen Bedingungen gelingen kann, wurde den TeilnehmerInnen des dritten Moduls der Qualifizierungsreihe „kooperative Sozialplanung“ an einem kompakten Tag vermittelt.

 

 

 

Besonderes Augenmerk legte Prof. Schönig auf eine besondere Form der Zusammenarbeit in Netzwerken, die er mit dem Begriff der „Koopkurrenz“ umschreibt. Auch wenn die meisten TeilnehmerInnen von dem Begriff noch nichts gehört haben, so war ihnen das dahinterliegende Phänomen aus dem Arbeitsalltag doch nur allzu bekannt: Mit der Arbeit ihrer Einrichtungen sind sie gleichzeitig Kooperationspartner anderer Einrichtungen und arbeiten doch unter einer wirtschaftlichen Konkurrenz- und Wettbewerbssituation. Freie Träger arbeiten beispielsweise im Rahmen der LIGA eng zusammen und konkurrieren doch vor Ort um die gleichen Gelder. Ähnliches gilt für das Verhältnis zwischen öffentlicher Verwaltung und freien Trägern. Während im Rahmen der Sozialplanung die Zusammenarbeit dominiert, steht in Entgeltverhandlungen der Interessensgegensatz im Vordergrund. Dass sich aus dieser Analyse wichtige Handlungsanweisungen für die Praxis ergeben können, hat sich nicht nur anhand der Daumenregel: „Kooperiere beim Backen des Kuchens und konkurriere bei seiner Verteilung“ gezeigt. So lassen sich eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen identifizieren, in denen durch gezielte Kooperation allen Beteiligten geholfen ist.

 

 

Der daran anschließende Beitrag von Herrn Beck ging hierbei noch einen Schritt weiter, indem er die Kooperationspotentiale von freien Trägern in der Sozialplanung aufzeigte. Sein im Prinzip einfaches und doch oft vernachlässigtes Fazit lautete, dass man zwischen verschiedenen Perspektiven und Akteuren in der Sozialwirtschaft differenzieren muss: Einrichtungen/Verbände/Ligen. Jede ihrer Organisationsformen bringt ganz eigene Kapazitäten für eine kooperative (Mit-)Gestaltung sozialplanerischer Prozesse mit. Dementsprechend  müssen auch unterschiedliche Strategien zur Organisation von Kooperationsstrukturen verfolgt werden.

 

 

Frau Maurer ergänzte das bis dahin entstandene Bild, indem sie in ihrer Funktion als Planungskoordinatorin im Landkreis Sömmerda die Netzwerk- und Kooperationsstrukturen aus der Perspektive der öffentlichen Verwaltung aufarbeitete. Sie brachte damit Licht in ein für freie Träger häufig undurchsichtiges Feld des Verwaltungshandelns. Als Planungskoordinatorin stimmt sie das interne Verwaltungshandeln mit dem externer Gremienarbeit ab. Für den Landkreis Sömmerda bedeutet das konkret: Die freien Träger können sich an einem Beirat beteiligen, und so den Planungsprozess begleiten und wichtiges Know-how einbringen.

 

 

Den Abschluss des Tages bildete ein Input von Thomas Kranke von der Neuen Arbeit Thüringen. Als Projektleiter des ThINKA-Projekts in Meiningen beschrieb er, wie sich der Aufbau und Erhalt von Netzwerk- und Kooperationsstrukturen vor Ort gestaltet. Um die Lebensbedingungen im vom demografischen Wandel gezeichneten Quartier „Jerusalem“ in Meiningen nachhaltig zu verbessern, bedarf es nicht nur einer umfassenden Koordination, sondern auch eines kontinuierlichen Ansprechpartners, der Vertrauen aufbaut und durch aufsuchende Sozialarbeit auf die Menschen zugeht. Deutlich wird jedoch auch: Um die Nachhaltigkeit und Treffsicherheit netzwerkorientierter Sozialarbeit zu sichern, wird in Zukunft eine enge Abstimmung mit der Sozialplanung vor Ort notwendig sein. Im Idealfall können von ihrem Steuerungspotential alle profitieren: Quartiersbezogene Sozialarbeit folgt örtlichen Bedarfen, Bürgerinnen und Bürger erfahren einen Zuwachs an Lebensqualität und Träger können sich auf verlässliche Rahmenbedingungen für ihr Handeln einstellen.

 

Ganz in diesem Sinne markiert der Abschluss der modularen Qualifizierung zwar das Ende einer Veranstaltungsreihe, ist aber gleichzeitig der Auftakt dafür, die Zusammenarbeit zwischen Sozialplanung und freien Trägern in Zukunft zu verstärken.

 

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