„Der Mensch steht im Mittelpunkt“: Positive Zwischenbilanz für neues Strukturmodell in der Pflege

Andrea Bork, Pflegedienstleiterin im DRK Seniorenpark Sondershausen, gesteht offen: „Zu Anfang waren wir skeptisch. Wir haben gedacht, das ist wieder eine von den vielen Änderungen, die so oft auf uns zukommen.“  Aber heute stehen sie und ihre Kolleginnen voll hinter dem neuen Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation. Die positiven Effekte dieses Modells sind für Andrea Bork und Heimleiterin Yvonne Töpfer täglich greifbar: Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei der Dokumentation entlastet werden, mehr Kommunikation untereinander. Und auch zufriedenere Bewohner, auf die die wachsende Zufriedenheit der Pflegekräfte ausstrahlt. In einer Talkrunde bei der LIGA-Fachtagung „Das Strukturmodell“ waren sich Yvonne Töpfer und Andrea Bork einig: „Das Modell können wir nur jedem empfehlen.“ Zustimmend nickte da auch Jeannine Schumann vom Verein „Betreuung zu Hause e.V.“, einem Anbieter ambulanter und teilstationärer Pflegeleistungen.

 

 

„Gute Pflege ist nicht an der Dokumentation festzumachen.“ So umschrieb Kerstin Triftshäuser den Grundgedanken des neuen Strukturmodells. Sie verglich die Einführung mit dem Drücken eines Reset-Knopfes in der Pflegedokumentation. Kerstin Triftshäuser ist Regionalkoordinatorin des Projektbüros EinSTEP und gestaltet seit Beginn der Implementierungsstrategie die Einführung des Strukturmodells aktiv mit.  Unterstützt wird sie dabei von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den einzelnen LIGA-Verbänden.

 

 

Mittlerweile haben sich 71 stationäre Einrichtungen und 50 ambulante Dienste der LIGA-Verbände beim Projektbüro für eine Einführung des Strukturmodells angemeldet. Insgesamt teilten in Thüringen bislang 34,3 Prozent aller Einrichtungen – Private eingeschlossen – beim Projektbüro ihr Interesse an der Einführung des Strukturmodells mit. „Es muss darum gehen, die Pflege zu stärken, nicht die Dokumentation“, unterstrich der Vorsitzende der LIGA, Reinhard Müller, bei der Eröffnung des Fachtages. „In Thüringen gibt es sehr viele, sehr positive, sehr nachhaltige Konzepte“, lobte Triftshäuser die Thüringer Einrichtungen, die sich zum Mitmachen entschlossen hätten. Die Tendenz ist steigend. Und nach dem Fachtag kann man wohl sagen: Wenn sich die positiven Erfahrungen, die bei der Veranstaltung von allen Seiten bestätigt wurden, weiter herumsprechen, werden noch mehr Pflegeeinrichtungen auf das neue System umsteigen.

 

„Wir wollen erreichen, dass die Pflegekräfte nicht mehr das Gefühl haben müssen, nur für die Prüfinstanzen zu arbeiten“, so Triftshäuser. Drei Punkte sind ihr bei dem Projekt grundsätzlich wichtig: Der personenzentrierte Ansatz, der die zu Pflegenden, deren Wünsche und Erwartungen, in den Mittelpunkt der Überlegungen rückt. Dazu kommt die damit verbundene Stärkung des Vertrauens in die Fachlichkeit der Pflegenden sowie eine schnellere Orientierung und eine bessere Übersichtlichkeit der neuen Dokumente, was natürlich auch zu einer Zeitersparnis führt. „Der Mensch steht im Mittelpunkt“, machte Triftshäuser den mit dem Strukturmodell verbundenen Paradigmenwechsel in der Pflege deutlich. „Wir verändern unsere Haltung und unseren Blick“, so Triftshäuser, die ausdrücklich zu diesem Blickwechsel ermutigte.

 

 

Ein solcher Paradigmenwechsel, das weiß auch die engagierte Pflegeexpertin, ist natürlich nicht schnell zu bewältigen. Das Loslassen von jahrelang eingefahrenen Gewohnheiten und Dokumentationen fällt schwer, der neue Freiraum für fachliche Entscheidungen muss sich erst von den Fachkräften erschlossen und dann genutzt werden. Das neue Strukturmodell hat viele Vorteile, es wirft aber vor allem im Detail noch viele Fragen auf. Das wurde im Laufe der Veranstaltung deutlich. Aber sicher ist, dass das Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation die Entwicklung einer attraktiven und zukunftsorientierten Pflegelandschaft  fördert. „Die Pflegekräfte gehen nach dem Dienst wesentlich entspannter nach Hause“, hat Andrea Bork beispielsweise beobachtet. Die Bewohner freuen sich, dass sie mit ihren Wünschen und Anliegen in dem neuen Modell ernster genommen werden als bei Anwendung der bisherigen Dokumentations-Vorschriften. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der einzelnen LIGA-Verbände gestalten den Prozess aktiv mit. Sie sind für alle Fragen die richtigen Ansprechpartner vor Ort.  „Denn nichts ist so beständig wie der Wandel“ steht sicher nicht ohne Grund auf der Einladung.

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