III. Modul der Qualifizierungsreihe Kooperative Sozialplanung am 13. & 14. Oktober 2016

Partizipation und Sozialraumanalyse gehören gleichermaßen zum Standardrepertoire der Sozialplanung. Doch so häufig diese Themen auch in der entsprechenden Literatur beschrieben und gefordert werden, so bleibt deren praktische Handhabung im Einzelnen häufig unklar. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, setzten sich die TeilnehmerInnen des dritten Moduls der Qualifizierungsreihe „kooperative Sozialplanung“ an zwei Tagen intensiv mit den zwei Basisbausteinen moderner Sozialplanung auseinander und diskutierten über die Rolle der freien Träger.

 

 

Den Auftakt der Veranstaltung machte Prof. Schnurr, der sich für ein umfassendes Partizipationskonzept einsetzte. Aus seiner Sicht darf Partizipation nicht bei einer bloßen Teilnahme aufhören, sondern meint aktive Teilhabe. Diese kann auf sehr verschiedenen Ebenen ansetzen und sehr unterschiedliche Formen annehmen. Die Beispiele von Prof. Schnurr reichten von einem öffentlich aufgestellten Sofa als neue Begegnungsstätte bis zu rechtlich kodifizierten Ausschüssen.

Dass durch das Engagement vor Ort auch mit geringen finanziellen Mitteln Partizipation gelebt werden kann, zeigten das anschließend vorgestellte Senioren Projekt Bleicherode und die Organisation von Teilhabeprozessen des Lebenshilfe-Werks Weimar-Apolda. In der weiteren Diskussion wurde schließlich die Rolle der freien Träger thematisiert. Insbesondere die  Schnittstellenfunktion der freien Träger und ihre Aufgabe als Vermittler zwischen Leistungsempfänger und Sozialplaner wurde hierbei festgestellt. Gelebte Partizipation, so konnte man aus dem ersten Tag lernen, ist ein lohnenswerter, aber auch sehr aufwendiger Prozess.

 

 

Am Folgetag gab Prof. Eckardt von der Bauhaus-Universität in Weimar einen Einstieg in die Sozialraumanalyse. Diese erschöpft sich nicht in der Sammlung quantitativer Daten zur Sozialstruktur. Vielmehr erschließt sich ein Sozialraum aus seiner Perspektiver erst, wenn der Blick der einzelnen Bevölkerungsgruppen auf ihren Sozialraum berücksichtigt wird. Soziale Angebote, die über den Köpfen der Betroffenen hinweg geplant und eingerichtet werden, können deshalb ihr Ziel leicht verfehlen.

 

Im anschließenden Veranstaltungsblock gewannen die TeilnehmerInnen einen facettenreichen Einblick in den Erfurter Stadtteil Moskauer Platz. Dieser lässt sich einerseits mit quantitativen Daten beschreiben, so wie es im Sozialstrukturatlas der Stadt Erfurt gemacht wird. Andererseits kann ein Stadtteil aber auch aus dem Blickwinkel der Akteure vor Ort betrachtet werden. Eine integrierte Sozialplanung sollte stets beide Perspektiven im Blick behalten und verfügbare Daten mit dem Know-how vor Ort verknüpfen. Für die freien Träger bieten sich bei einer solchen sozialraumorientierten Betrachtungsweise zahlreiche Anknüpfungspunkte.

 

 

Die vom Kompetenzzentrum für Strategische Sozialplanung der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege organisierte Reihe soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vier Teilen mit der Sozialplanung vertraut machen. Denn Sozialplanung ist in Thüringen ein zentrales Thema. Nicht nur vor dem Hintergrund der von der Landesregierung angestrebten Gebiets- und Verwaltungsreform. Die demografische Entwicklung in Thüringen zwingt geradezu dazu, die soziale Infrastruktur vorausschauend zu planen. Dazu gibt es ein aus Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziertes Förderprogramm, das jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt die 80 prozentige Förderung einer Sozialplanungsstelle ermöglicht.

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