PM: Pflegereform-Gesetze erhöhen Bedarf an Pflegekräften weiter Tausende von Kräften fehlen schon jetzt

Erfurt, 12.05.2016. Die Pflegereform-Gesetze, die im nächsten Jahr in Kraft treten, werden den Bedarf an Pflegekräften in Thüringen weiter erhöhen. Durch den neuen Pflege-bedürftigkeitsbegriff erhalten mehr Personen Leistungsansprüche. Entsprechend wird auch mehr Personal in allen Versorgungsbereichen benötigt. Diese deutlichen Qualitäts-verbesserungen in der Pflege werden allerdings die angespannte Lage beim Pflegepersonal noch weiter verschärfen. Davon geht die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege aus. Schon auf der Basis des Status Quo und ohne die neuen Gesetzesänderungen fehlen in den nächsten Jahren ca. 4500 Pflegekräften in Thüringen.

Und das, obwohl sich der Pflegebereich  zu einem regelrechten Jobmotor in Thüringen entwickelt hat. In den vergangenen Jahren sind mehr als  2000 neue sozialversicherungs-pflichtige Arbeitsverhältnisse in diesem Bereich entstanden. Allein zwischen 2013 und Mitte 2015 stieg die Zahl der Beschäftigten um mehr als zehn Prozent von 14.703 auf 16.178, so die Regionalagentur für Arbeit. In Thüringen sind mittlerweile 45.100 Frauen und Männer in der Pflegebranche beschäftigt. Zur Pflegebranche zählt die Regionalagentur Kranken- und Altenpflege, Physio- und Ergotherapie sowie Haus- und Familienpflege.

Der Trend nach oben hält weiter an. Trotz dieses deutlichen Anstiegs an Pflegekräften in den letzten Jahren fehlen in Thüringen nach aktuellen Prognosen aus dem Sozialministerium in den nächsten Jahren Tausende von Pflegekräften. Diese Lücke kann nur durch ein Bündel an Maßnahmen geschlossen werden. Dazu zählen eine  weitere Attraktivitätssteigerung des Berufes, eine Erhöhung der Nachfrage in der Ausbildung, eine erhöhte Zahl von Umschulungen in der Altenpflege sowie eine deutlich bessere gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe, so die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege.

In den Blick genommen werden müssen dabei neben BerufseinsteigerInnen zunehmend auch potenzielle QuereinsteigerInnen sowie UmschülerInnen.  Weitere Qualifikations-anstrengungen sind notwendig, denn die Schere zwischen Fachkäften und HelferInnen öffent sich immer weiter. Bei Pflegefachkräften gibt es oft nicht mal eine(n) BewerberIn pro Stelle, im HelferInnen-Bereich konkurrieren nach Angaben der Arbeitsagentur dagegen fünf Arbeitslose um eine Stelle.

Mit dem Thüringer Pflegepakt und der erfolgreichen Imagekampagne „Pflege braucht Helden“ sind erste wichtige Schritte auf diesem Weg gegangen worden, die jetzt weiter ausgebaut werden müssen. Vor allem ist es nach Einschätzung der LIGA wichtig, die Kommunen stärker in den Pflegepakt einzubinden.

Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird sich den Prognosen zufolge zwischen 2012 und 2030 um etwa 32 Prozent erhöhen, gleichzeitig wächst die Zahl der benötigten Fachkräfte im selben Zeitraum um 48 Prozent an. Daraus errechnet sich ein zusätzlicher Bedarf an Pflegekräften bis 2020 von 3540 Personen, der bis zum Jahr 2030 auf 7944 steigt. Der Pflegebereich ist auch auf die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland angewiesen. Allerdings ist ein entscheidendes Kriterium die Sprachausbildung der Betroffenen.  Eine berufsbegleitende Organisation der Sprachausbildung ist hier allerdings erforderlich.


Zur Steigerung der Attraktivität der Berufsausbildung kann auch die Neuordnung der beruflichen Ausbildung beitragen. Mit der Reform sollen die bislang getrennten Ausbildungen zu Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengelegt werden. Am Ende der Ausbildung steht dann die Pflegefachkraft, die im Altenheim ebenso arbeiten kann wie im Krankenhaus. Dieser Weg entspricht den veränderten Anforderungen in der Pflege. Damit wird  die pflegerische Qualifikation den veränderten Versorgungsstrukturen der Pflegebedarfe im Akut- und Langzeitpflegebereich angepasst. Hintergrund für die Reformbestrebungen ist die steigende Zahl chronischer Erkrankungen und die wachsende Zahl demenziell und psychisch erkrankter Menschen in allen pflegerischen Versorgungsstrukturen.


Aus Sicht der Wohlfahrtsverbände müssen begleitend zur Gesetzgebung noch einige Punkte geregelt werden. So benötigen die Schulträger Unterstützung in Fragen des künftigen Managements wie beispielsweise die Übertragung der Verantwortlichkeiten oder künftige Planung von Lehrveranstaltungen.  Als eine Schwachstelle könnte sich auch die nicht im Gesetzentwurf geregelte Finanzierung der Investitionskosten der Schulen erweisen. Auch ist eine schärfere Konturierung des neuen Berufsbildes nötig, um die vorhandene Verunsicherung von Pflegeeinrichtungen und Schulträgern zu zerstreuen.

Presse

 
Dirk Bley
 
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Bildung/Öffentlichkeitsarbeit