PM: Vor dem Flüchtlingsgipfel - LIGA fordert weiteren Ausbau der bestehenden Beratungs- und Handlungsstrukturen für Flüchtlinge in Thüringen

Erfurt/22.04.15. Die in Thüringen bestehenden Beratungs- und Handlungsstrukturen für Flüchtlinge müssen weiter ausgebaut werden. „Die bei uns Schutz Suchenden müssen menschenwürdige Rahmenbedingungen vorfinden“, so der Vorsitzende der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen, Reinhard Müller, im Vorfeld des am Donnerstag stattfindenden Thüringer Flüchtlingsgipfels. Die dramatischen und tragischen Ereignisse der vergangenen Tage im Mittelmeer müssten für alle Thüringerinnen und Thüringer eine Verpflichtung sein, alles zu unternehmen, um den Betroffenen hier eine neue Heimat und Schutz zu bieten. Müller zitiert in  diesem Zusammenhang den Koalitionsvertrag, in dem es heißt: „Am Umgang mit Flüchtlingen und der Integration von Migrantinnen und Migranten bemisst sich die Humanität einer Gesellschaft.“

 

Aus diesem Anspruch heraus fordert die LIGA die schnelle Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Verbesserungen, beispielsweise bei m Ausbau der psychosozialen therapeutischen Behandlung traumatisierter Flüchtlinge. Schon jetzt kann beispielsweise das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge in Jena der Nachfrage der Hilfesuchenden nicht mehr gerecht werden.  Lange Wartezeiten auf Termine und die damit verbundene Verfestigung von Traumata sind nach Einschätzung der LIGA nicht länger akzeptabel.

Die öffentliche Diskussion konzentriert sich nach Einschätzung der LIGA derzeit zu stark auf die Frage der Unterbringung. Dabei bleiben wesentliche andere Aspekte ausgeblendet, die für den Ausbau der Willkommenskultur in Thüringen aber unabdingbar sind. Der Anstieg der Zuzugszahlen muss sich nach Einschätzung der LIGA auch in der Einrichtung von landes- und kommunalgeförderten Beratungsdiensten widerspiegeln. Die LIGA hält dabei einen Beratungsschlüssel von 1:75 statt der bisherigen 1:150 für dringend geboten. Die Flüchtlinge und Asylbewerber haben ein Anrecht auf eine adäquate soziale Begleitung und Beratung.

 

Auch hält die LIGA den Ausbau der Sprachförderung für dringend erforderlich. Dabei sollte die Landespolitik einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der auch die Begleitung von Schülerinnen und Schülern über die Schulzeit hinaus ermöglicht. Bildungsangebote im außerschulischen Bereich sind notwendig, über freie Träger könnten auch Kontakte in den sozialen Nahraum, beispielsweise zu Vereinen, zielgerichteter geknüpft werden.  Ein Weg dahin ist nach Einschätzung von Müller die Ausweitung der Schulsozialarbeit, wobei die Schulsozialarbeiter, wie bisher auch, in den meisten Fällen bei freien Trägern vor Ort angesiedelt sein könnten.

 

Ein besonderes Augenmerk sollte die Politik auch auf die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge richten. Für 2015 geht man in Thüringen von einer Zahl von etwa 500 Minderjährigen aus, die ohne familiäre Begleitung nach Thüringen kommen. Zusätzliche und ausreichende Plätze in  Jugendhilfe und Schule sind nötig. Auch die notwendigen Investitionsmittel dafür müssen bereitgestellt werden.  Familienverbände und Familienzentren sollten Angebote für Flüchtlingsfamilien zu einem neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit entwickeln. „Das Kindeswohl muss an erster Stelle stehen“, so Müller.

Wichtig für eine Willkommenskultur in Thüringen ist nach Einschätzung der LIGA auch die möglichst frühe Einbeziehung der Bevölkerung bei der Schaffung neuer Gemeinschaftsunterkünfte. Vorbehalten und Vorurteilen müssten Land, Kommunen, Sozialverbände und Zivilgesellschaft mit Informationskampagnen gemeinsam aktiv entgegenwirken, unterstreicht Müller. Er erhofft sich von dem Flüchtlingsgipfel am Donnerstag einen wichtigen Schritt hin zu einem Gesamtkonzept für die Aufnahme, Unterbringung, Begleitung und Beratung von Flüchtlingen.

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Dirk Bley
 
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