PM zum Jahresempfang Liga

Bruno Heller: Stigmatisierung der Langzeitarbeitslosen „eine Schande“
Reinhard Müller: Neuer Politik-Entwurf für Thüringen möglich: Zusammenspiel von Zivilgesellschaft und Politik auf Augenhöhe

Erfurt, 20.02.2015.   Als „Schande“ hat der scheidende Vorsitzende der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen, Caritas-Direktor Bruno Heller, die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen in Thüringen bezeichnet.  „Es bereitet Schmerz, wenn man sieht, dass laut neuem Thüringen-Monitor 53 Prozent der Thüringer Langzeitarbeitslose negativ ansehen“, so Heller beim Jahresempfang der LIGA. „Wir müssen Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit bieten, aus dieser Stigmatisierung herauszukommen,“ sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) bei der Veranstaltung. Er verwies auf das geplante neue Landesprogramm, das 2500 Langzeitarbeitslosen in  dieser Legislaturperiode neue Chancen eröffnen soll.  Gemeinsam mit den Sozialverbänden soll dieses Programm, das bundesweiten Modellcharakter haben soll, erarbeitet werden, so Ramelow.

 

Der neue Vorsitzende der LIGA, der Landesgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN, Reinhard Müller,  hob die Chancen hervor, die sich derzeit gesellschafts- und sozialpolitisch in Thüringen eröffneten. „Wir haben eine frische neue Landesregierung und damit alle Chancen, auf dem Bestehenden aufzubauen“, so Müller, der für die nächsten zwei Jahre turnusmäßig die LIGA führen wird. Im Rahmen der Veranstaltung erhielt er den symbolischen Staffelstab aus den Händen von Bruno Heller. Müller wünschte sich für Thüringen einen „neuen Politik-Entwurf“ mit einem Zusammenspiel zwischen Zivilgesellschaft und Politik „auf Augenhöhe“.  LIGA-Geschäftsführer Hans-Otto Schwiefert verwies darauf, dass die Gestaltung sozialer Prozesse einen langen Atem, Durchhaltevermögen, Verlässlichkeit und Kontinuität erforderten.

Müller, Heller und Schwiefert sicherten der Politik eine kritisch-konstruktive Begleitung zu. Heller forderte in seiner Rede vom Land mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung des Pflegepaktes, Müller mahnte die rasche Vorlage eines Haushaltes an, damit es auch bei der Fortentwicklung sozialer Projekte keinen Innovations-Stau gebe. Als große Herausforderungen, die man gemeinsam anpacken müsse, nannte Müller die regionalen Disparitäten in Thüringen, das „Abhängen ganzer Landstriche“ durch die demografische Entwicklung, die Weiterentwicklung der Kita-Betreuung, mehr Investitionen in den Bildungsbereich und das Thema inklusive Gesellschaft, wo sich noch viel Potenzial verberge. Insgesamt wünschte er sich eine Aufwertung des Sozialbereiches. „Wir benötigen auch ein Willkommensportal für den Sozialbereich“, so Müller. Die Rahmenbedingungen für die Sozialwirtschaft müssten insgesamt verbessert werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow nannte die LIGA „das soziale Rückgrat der Gesellschaft“. Ziel seiner Landesregierung sei es, „keinen Menschen links oder rechts liegenzulassen“. Unter Hinweis auf den jüngsten Armutsbericht des PARITÄTISCHEN, der für Thüringen konstatiert hatte, dass 400.000 Menschen unterhalb der Armutsschwelle leben, forderte Ramelow zu gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen auf.  Notwendig sei auch hier ein „besseres Zusammenwirken im Räderwerk der Verantwortlichen.“

 

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Dirk Bley
 
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