Kurzbericht zum Fachtag "FALLVERSTEHEN – Sozialpädagogische Diagnose im Hilfeprozess" am 27. November 2012

Am 27. November 2012 lud die LIGA Thüringen in Kooperation mit der Stiftung FamilienSinn VertreterInnen der freien und öffentlichen Träger zur Fachtagung „FALLVERSTEHEN – Sozialpädagogische Diagnose im Hilfeprozess“ ein. 90 Teilnehmende sind der Einladung gefolgt und haben damit gezeigt, dass Interesse an der von der LIGA Thüringen gebotenen Plattform zum Austausch über bereits bestehende Methoden und Konzepte und an der Vernetzung besteht.

 

Fachkräfte in den Hilfen zur Erziehung stehen aufgrund fachlicher, aber auch finanzieller Herausforderungen immer stärker vor der Aufgabe, die Hilfen effektiver und effizienter zu gestalten.

 

Ulf Grießmann, LIGA-Vorsitzender, begrüßt die Teilnehmer

 

So sind sowohl die öffentlichen Träger bei der Entscheidung, welche Hilfe die „richtige“ ist, als auch die freien Träger- als Leistungsanbieter - bei der konkreten Gestaltung der Hilfen gefordert, die Lebenssituation der Kinder, Jugendlichen und Familien zu verstehen, um Hilfebedarfe und Erfolgsaussichten möglichst sicher einschätzen zu können. Sie müssen begründen, warum es sinnvoll ist, die Förderung und Erziehung junger Menschen so und nicht anders zu gestalten.

 

Prof. Dr. Schrapper, Uni Koblenz-Landau, beschreibt, was FALLVERSTEHEN heißt

 

Um dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden, benötigen die Fachkräfte Konzepte und Methoden, bei denen systematisch Informationen erfasst, analysiert und bewertet werden, die in sozialpädagogische Handlungs- und Interventionsstrategien münden.

 

In vielen Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe werden bereits solche Konzepte angewendet. Bisher fehlte jedoch die Gelegenheit für den fachlichen Austausch über Erfahrungen, aber auch Hindernisse und Probleme bei der Umsetzung.

 

Nach der Begrüßung von Ulf Grießmann, LIGA-Vorsitzender vom AWO Landesverband Thüringen, legte Prof. Dr. Schrapper, Uni Koblenz-Landau, im Einführungsreferat anschaulich dar, was FALLVERSTEHEN heißt und somit das grundsätzliche Verständnis sozialpädagogischer Diagnose. Sein Einstieg über die Bedeutung von Versorgung und Erziehung von Kindern, die Entwicklung von Perspektiven aus Eltern- und Kindersicht sowie der Hilfeplanung, mündete in den Grundlagen für Sozialpädagogische Diagnostik und der Vorstellung des integrativen Konzepts für Diagnostik und Fallverstehen in den Hilfen zur Erziehung und Kinderschutz aus Koblenz.

 

Praktische Umsetzung sozialpädagogischer Diagnostik präsentiert durch Harald Britze, Bayrisches Landesjugendamt

 

Harald Britze, Bayrisches Landesjugendamt, stellte anschließend die Praxislösung aus Bayern anhand der Sozialpädagogischen Diagnosetabellen (SDT) und Hilfeplan vor. Bereits seit 14 Jahren entwickelt das Bayrische Landesjugendamt die SDT weiter. Der nächste Entwicklungsschritt sieht die Veröffentlichung der SDT auf elektronischer Basis im Jahr 2013 vor.

 

Viola Gehrhardt, Landesjugendamt Thüringen, führte in der Situationsanalyse zum Bundesland Thüringen zu Fallzahlen in Hinsicht auf Angebots- und Belegungssituation in Thüringer Einrichtungen der Erziehungshilfe aus und hob mithilfe ihrer Überlegungen die Aktualität des Themas hervor.

 

Beschreibung der Thüringischen Situation durch Viola Gehrhardt, Landesjugendamt

 

In vier Workshops wurden resümierend folgende Kernergebnisse formuliert:

 

  • In den Diskussionen wurde deutlich, dass der Begriff sozialpädagogische Diagnose, wie so manch anderer Begriff, z. B. Inklusion, eher inflationär verwendet wird und ein unterschiedliches Verständnis vorherrscht, welche konkreten Methoden und Instrumente existieren.
  • Verschiedene Instrumente werden in einigen Einrichtungen verwendet, z. B. Uhlendorfs Diagnosetabellen. Andere Träger haben aus verschiedenen Instrumenten und Ansätzen eigene Methodensettings entwickelt. Des Weiteren wurde auf das Hilfeplanverfahren in Erfurt verwiesen, welches durch das Bundesmodellprojekt INTEGRA weiterentwickelt wurde.
  • Die TeilnehmerInnen äußerten mehrmals den Wunsch, dass es in Thüringen einen Diskurs über einheitliche Standards und Kriterien geben sollte und die Verbesserung des Qualifizierungsangebots vorangetrieben werden muss. Eine Entwicklung der beiden Bereiche (Standards + Qualifizierung) sollte gemeinsam von öffentlichen und freien Trägern bearbeitet werden.

 

Die LIGA Thüringen wird die Ergebnisse der Workshops in die weitere Bearbeitung der Thematik einbeziehen.

 

Diskussion in den Workshops Vorstellung der ERgebnisse im Podium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlagen: